Erste Hilfe bei Ischialgie/Piriformis-Syndrom

Der Ischiasnerv - Was ist das überhaupt?

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der längste und stärkste Nerv in unserem Körper. Er entspringt am untersten Lendenwirbel und verläuft an der Hinterseite des Beckens durch unsere Gesäßmuskulatur. Weiter hinunter zieht er durch die hintere Oberschenkelmuskulatur Richtung Kniekehle und durch die Wade. Auf seinem Weg hinab werden die Abschnitte mit anderen Namen betitelt, doch handelt es sich immer noch um den Nerv, der seinen Ursprung am letzten Lendenwirbelkörper hat.

Wenn dieser Nerv eingeengt wird, entsteht der Ischias Schmerz oder auch die Ischialgie / Piriformis-Syndrom genannt, die sich durch LWS- Gesäß- und, oder- Beinschmerzen äußern kann. 

Wodurch bekommt der Ischiasnerv zu viel Druck?

Es gibt mehrere Gründe, der um den wir uns heute kümmern, ist die Einengung des Nervs durch zu hohe Spannung in der Gesäßmuskulatur und im Speziellen einem verhältnismäßig kleinen, birnenförmigen Muskels, dem Piriformis.

Genau genommen liegt dieser kleine Muskel unter unserer Gesäßmuskulatur und gehört zur tiefen Schicht der Hüftmuskeln - das aber nur nebenbei.

Wichtig bei unserem Thema ist die Position des Piriformis zum Ischiasnerv. Denn diese beiden Kammeraden liegen in unmittelbarer Nähe zueinander. Wenn sich nun der Piriformis durch Fehlbelastung verkürzt und verdickt, drückt er auf unseren Ischiasnerv und was dabei herauskommt ist ein wirklich gemeiner Schmerz.

Ein unglücklicher Piriformis

Tja, wer hätte es gedacht! Natürlich ist mal wieder unsere "Lieblingsbewegung", das ausdauernde, tägliche Sitzen Schuld an unserem Ischiasschmerz. Denn hierbei muss unser besagter Muskel auf lange Zeit in einer verkürzten Position ausharren, anstatt sich "artgerecht" in Verkürzung und Verlängerung bewegen zu dürfen. Der Muskel verspannt, verdickt und nimmt dem Ischiasnerv seine Komfortzone.

By the way: dies gilt übrigens natürlich nicht nur für diesen einen Muskel! Muskeln die immer wieder, für zu lange Zeiträume in einer verkürzten oder auch gedehnten Position fast bewegungslos verharren müssen, reagieren mit Verspannung, machen Räume eng und lösen Schmerz aus.

Das Bindegewebe, was unseren gesamten Körper durchzieht und unter anderem auch jeden Muskel ummantelt mag diese Bewegungslosigkeit übrigens auch so gar nicht. Und auch hier sind Schmerzrezeptoren angesiedelt, die dann Alarmschmerzen aussenden.

 

Ein kreatives Beispiel: stellt Euch vor ihr seid van Gogh und anstatt Eurer Berufung, dem Malen nachkommen zu dürfen, zwingt Euch jemand dazu, 12 Stunden täglich am Fließband zu stehen. Und Eure einzige Aufgabe ist es, alle zehn Sekunden ein Loch in einen fertigen Bilderrahmen zu bohren, die an Euch vorbeiziehen....jahrelang.

Die Lösung...

..ist eigentlich recht einfach.

Bewegt Euch immer wieder. Vielfältig. Großräumig. Steht auf, aktiviert und entspannt Eure Muskeln. Jeder Muskel möchte gerne funktionsgerecht arbeiten. So verhindert Ihr, dass es überhaupt zu starken Schmerzen kommt.

Bei akuten Schmerzen ist die erste Lösung allerdings nicht sofort die Kräftigung, sondern Entspannung und Dehnung.

 

Und hier eine erste kleine Anleitung dazu:


Triggerpunkte bearbeiten

In Rückenlage begeben-Faszienball (Tennisball) unter das Gesäß legen-Triggerpunkte durch den Druck entspannen
Triggerpunkte mit dem Tennisball entspannen

Bild 1:

  • wähle für den Anfang einen nicht zu harten Ball.  Positioniere ihn an die Punkte die besonders empfindsam sind. 
  • sanft in den Ball hineinsinken lassen. WICHTIG: nur so viel Druck, dass Du immer noch LOSLASSEN kannst.
Alarmschmerzen durch richtige Dosierung des Druckes herunterschalten-variable Positionierung auf dem Faszienball
Dosierter Druck auf Triggerpunkte

Bild 2:

  • durch verschiedene Beinpositionen kannst Du den Druck dosieren. Du kannst die Beine angewinkelt aufstellen, eines oder beide ablegen, Dein Becken leicht zur Seite neigen. Probiere aus, welche Position intensiv, aber irgendwie immer noch angenehm für Dich ist.
  • so lange auf der Stelle bleiben, bis der Schmerz deutlich nachlässt, maximal aber nur zwei Minuten!

Dehnung Gesäß und Hüftmuskulatur

Dehnung der Gesäßmuskulatur
Dehnung der Gesäßmuskulatur

Bild 3:

  • zu Beginn in die Rückenlage gehen und einen etwas größeren Kniewinkel als 90 Grad wählen (sollte die nachfolgende Dehnung dann zu schwach sein, näher an der Wand positionieren)
  • den Fuß der zu dehnenden Seite auf das andere Knie legen (geht manchmal leichter, wenn man dafür kurz den Po anhebt)

Bild 4:
  • in die Dehnung hineinsinken lassen. Die Dehnung soll ANGENEHM intensiv sein, Du musst LOCKERLASSEN können. Wenn es Dir möglich ist, bleib gerne ca. 2 1/2 bis 3 Minuten so liegen, dann wechseln.
  • immer beide Seiten bearbeiten. 

Lieber Gruß und gute Besserung

 

Kirsten

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